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Alt 21.12.2009, 20:06
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Standard Wie der Weihnachtsbaum nach Österreich kam

Wie der Weihnachtsbaum nach Österreich kam



Vor etwa 190 Jahren, am Weihnachtsabend anno 1816 war es, dass in Österreich der erste Christbaum im Lichterglanz erstrahlte. Es ist demnach noch gar nicht lange her, seit der schöne und erhabene Brauch, am Heiligen Abend einen Nadelbaum mit brennenden Kerzen, bunten Papierschlangen und allerlei Backwerk zu schmücken, auch in unserem Land seinen Einzug gehalten hat. Verwundert sinnen wir, die wir uns das schönste und innigste Fest des Jahres nicht mehr ohne den Duft und den Zauber des Lichterbaumes vorstellen können, darüber nach, wie all die endlos vielen Weihnachtsfeste unserer Ahnen ausgesehen haben mögen, von denen wir nur wissen, daß die Christmette ihren eigentlichen und einzigen Mittelpunkt bildete. Auch die freundliche Sitte, einander zu beschenken, war damals noch nicht lebendig, nur der Nikolaus brachte den Kindern ein paar Wochen vor dem Heiligen Abend allerlei Süßigkeiten, denen meist der Krampus eine Rute beifügte.
Eine junge deutsche Prinzessin, Henriette von Nassau-Weilburg war es, die den in ihrer mitteldeutschen protestantischen Heimat schon lange gepflegten Brauch der Weihnachtsbescherung und des Christbaumes nach Wien trug, wo sie als Gemahlin des österreichischen Erzherzogs Karl, Siegers in der Schlacht bei Aspern über Napoleon, zunächst ein Bürgerhaus in der Inneren Stadt bewohnte. Obwohl die Wiener schnell Gefallen an der bezaubernden, schönen Frau fanden, und ihr Gatte sie zärtlich liebte, litt die junge Erzherzogin heftig an Heimweh. Und diesem Heimweh ist es zu verdanken, daß im Jahre 1816 im Hause Ecke Annagasse 20 und Seilerstätte 30 erstmals an einer schlanken, geschmückten Tanne Kerzen entzündet wurden, bis der Baum in seiner ganzen Pracht und Herrlichkeit erstrahlte. Erzherzog Karl hatte nichts dagegen, daß seine Gattin den schönen Brauch aus ihrer Kinderzeit weiterpflegte, im Gegenteil, er zeigte sich selbst sehr angetan davon, und sogar der Kaiser, der als Gast im Hause des jungen Paares weilte, fand großen Gefallen an der weihnachtlichen Sitte.

Da die bunten Lichter, der glitzernde Flitterkram, die vergoldeten Nüsse, die schillernden Papierschlangen und das süße Zuckerzeug damals in Wien noch nicht zu haben waren, musste sich Erzherzogin Henriette den Schmuck für ihren Tannenbaum aus ihrer Heimat Hessen schicken lassen, wo man, wie in ganz Mitteldeutschland, im Schwarzwald und auch in Norddeutschland den Christbaum schon lange kannte und pflegte.

Manche Wiener konnten von der Straße aus den erleuchteten und geschmückten Baum im Hause des Erzherzogs erblicken, und es sprach sich schnell herum, auf welch seltsame, doch hübsche Art seine Gemahlin das Weihnachtsfest zu feiern verstand. Schon im nächsten Jahr wurde ihr Beispiel in mehreren Adelsfamilien nachgeahmt, Künstler- und Bürgerfamilien übernahmen den Brauch, der sich rasch verbreitete.
Die erste Beschreibung eines Christbaumes finden wir in den Erinnerungen des bekannten Malers Rudolf von Alt, der vom Weihnachtsabend 1817 in seinem Elternhaus erzählt:
"Mein Vater brachte in diesem Jahre zum ersten Mal einen Weihnachtsbaum nach Hause. Anno 1817 kannte man in Wien diese wonnesame, traute, erhebende, erhabene Einrichtung noch nicht. Hier war er ganz fremd, der herrliche Baum, hier hatte man seinen goldigen Schimmer noch nicht kennen und lieben gelernt. Auch wenn ich noch so alt werde, nie werde ich, nie, diesen ersten, fremden Weihnachtsbaum vergessen. Plastisch und gravitätisch, milde und bezaubernd steht er noch heute vor mir, wenn ich mich in jene Zeit zurückträume. Ich sehe ihn, sehe auch mich, den dummen, fünf jährigen Buben, der wahre Freudentänze um dieses neue und doch so sympathische Bäumchen aufführte, der sich nicht zugute geben konnte über den Glanz, über den Flitter, über all die niedlichen Spielereien. Und wie bezaubernd winkten und blickten die lieblichen Lichtlein! Wie warfen sie ihren Schein hinein in mein junges, aufnahmefähiges Herz, wie bewegten sie mich … !"
Erzherzogin Henriette erlebte den Siegeszug der von ihr nach Österreich getragenen Sitte nicht mehr. In jungen Jahren starb sie, nachdem sie zuvor noch allerlei Weihnachtsgaben für ihre Kinder besorgt hatte, kurz vor dem Heiligen Abend, an einer heimtückischen Krankheit, an Scharlach. Doch der frühe, tragische Tod dieser jungen, liebenswerten Frau konnte nicht mehr verhindern, daß der Christbaum, den wir Österreicher ihr verdanken, in Stadt und Land zum Mittelpunkt des Weihnachtsfestes wurde und sich nach und nach die Herzen aller Kinder - und auch aller Erwachsener - im Sturm eroberte.

Veronika Handlgruber-Rothmayet
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Alt 21.12.2009, 20:37
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Standard AW: Wie der Weihnachtsbaum nach Österreich kam

sehr interessanter Bericht, man lernt nie aus. danke baerli
lg.Anemie
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Alt 22.12.2009, 16:44
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Standard AW: Wie der Weihnachtsbaum nach Österreich kam


, danke lieber Baerli


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..Mit liebem Gruß Etta
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